Tillecur®

Tillecur® ist ein Pflanzenstärkungsmittel für steinbrandanfälliges Getreide. Es wird am Getreidesaatgut angewendet und erhöht die Widerstandskraft der jungen Getreidepflanzen. Tillecur® darf im Ökolandbau eingesetzt werden.

Von Steinbrand befallene Ähre mit Brandbutten (links). Gesunde Ähre und Körner (rechts).

Weshalb ist eine Pflanzenstärkung bei Getreide wichtig?
Weizensteinbrand ist die gefährlichste Pilzkrankheit insbesondere von Winterweizen und Dinkel im Ökolandbau. Neben Ertragseinbußen verursacht Steinbrand Qualitätsverluste: Stark befallene Partien können aufgrund der Sporenkontamination weder als Speise- noch als Futterweizen eingesetzt werden.

Die eigentliche Infektion der Getreidepflanze durch Steinbrand hat jedoch lange vor dem Sichtbarwerden der Brandbutten stattgefunden: Die Sporen des Steinbrandpilzes (Tilletia caries) haften bei der Aussaat dem Saatgut an oder befinden sich bereits im Boden. Bei der Keimung befällt der Pilz die junge Getreidepflanze. Ist der Keimling erst einmal infiziert, haben Sie im ökologischen Landbau keine Möglichkeit mehr, den Steinbrand zu bekämpfen. Eine erfolgreiche Strategie besteht darum aus vorbeugenden Maßnahmen. Dazu gehört auch die Behandlung des Saatgutes mit dem Pflanzenstärkungsmittel Tillecur®. In verschiedenen Versuchen konnte gezeigt werden, dass mit Tillecur® behandeltes Saatgut einen über 90% geringeren Steinbrandbefall aufweist als die unbehandelte Kontrolle.

Wann ist eine Saatgutbehandlung mit Tillecur® ratsam?
Die Steinbrandbelastung des Getreidesaatgutes wird in Sporen je Korn angegeben. Bereits ab einem Besatz von mehr als 10-20 Sporen/Korn ist von einem unbehandelten Einsatz des Saatgutes abzusehen. Bei anfälligen Sorten ist schon ein geringerer Besatz von mehr als 5-10 Sporen/Korn kritisch und kann zur Steinbrandbelastung des Erntegutes führen. Auf steinbrandbelasteten Schlägen ist zudem mit bodenbürtigem Steinbrand zu rechnen, der für zusätzlichen Infektionsdruck sorgt. Aktuell geht man von einer Überdauerungszeit der Sporen im Boden von 2-6 Jahren aus. Eine Behandlung des Saatgutes mit Tillecur® ist darum in jedem Fall in Betracht zu ziehen.

Tillecur®-Pulver für die trockene Behandlung des Saatgutes (links). Klumpenfrei mit Wasser angerührtes Tillecur® für die feuchte Behandlung des Saatgutes (rechts).

Wie erfolgt die Anwendung von Tillecur® und wie hoch ist die Aufwandmenge? 
Tillecur® wird in Pulverform geliefert. Die Anwendung von Tillecur® erfolgt zum Saatgut. Es kann zwischen der trockenen und der feuchten Anwendung gewählt werden, wobei sich die erforderliche Aufwandmenge unterscheidet:

trocken: 1,5 kg Tillecur® mit 100 kg Saatgut gut durchmischen.
feucht: 1 kg Tillecur® mit 5 Liter Wasser zunächst gründlich klumpenfrei anrühren. Anschließend die angerührte Masse mit 100 kg Saatgut gleichmäßig durchmischen.

Ist die trockene oder die feuchte Anwendung von Tillecur® vorzuziehen? 
Die Wahl der Anwendungsmethode erfolgt in Abhängigkeit von Getreideart und Sporenbesatz des Saatgutes. Dabei kann die trockene Anwendung stets durch die feuchte ersetzt werden.

Sommerweizen: kann grundsätzlich trocken behandelt werden, da Steinbrand normalerweise kein großes Problem darstellt.
Winterweizen: kann sowohl trocken als auch feucht behandelt werden. Bei bis zu 500 Sporen/Korn ist eine trockene Behandlung möglich. Bei höherem Sporenbesatz ist die feuchte Anwendung vorzuziehen.
Dinkel: wird aufgrund des Spelzes grundsätzlich feucht behandelt. 

Weizensaatgut vor der Behandlung mit Tillecur®.
Weizensaatgut vor der Behandlung mit Tillecur®.
Weizensaatgut nach trockener Behandlung mit Tillecur®.
Weizensaatgut nach trockener Behandlung mit Tillecur®.
Weizensaatgut direkt nach der Feuchtbehandlung mit Tillecur®. Die reduzierte Fließfähigkeit des Saatgutes ist deutlich zu erkennen.
Weizensaatgut direkt nach der Feuchtbehandlung mit Tillecur®. Die reduzierte Fließfähigkeit des Saatgutes ist deutlich zu erkennen.
Weizensaatgut nach Feuchtbehandlung mit Tillecur® und anschließender Rücktrocknung des behandelten Saatgutes.
Weizensaatgut nach Feuchtbehandlung mit Tillecur® und anschließender Rücktrocknung des behandelten Saatgutes.

Praktische Tipps für die Anwendung von Tillecur®
Für die Anwendung von Tillecur® ist prinzipiell jede Methode und Vorrichtung geeignet, welche ein homogenes Vermischen von Tillecur® mit dem Getreidesaatgut gewährleistet. Je nach zu behandelnder Getreidemenge eignen sich insbesondere elektrisch betriebene Beiztrommeln oder Kleinmischer bis hin zu zapfwellengetriebenen landwirtschaftlichen Mischtrommeln und LKW-Fahrmischern. Beim Mischvorgang sollte übermäßige Staubbildung vermieden werden und es ist stets für ausreichende Frischluftzufuhr zu sorgen. Vermeiden Sie direkten Körperkontakt mit Tillecur®.


Was ist nach der Anwendung von Saatgut mit Tillecur® zu beachten?
Behandeltes Saatgut kann direkt nach der Anwendung ausgesät werden. Bei feucht behandeltem Saatgut ist die reduzierte Fließfähigkeit zu beachten und die Einstellung der Sämaschine entsprechend zu verändern. Behandeltes Saatgut kann zudem über mehrere Wochen zwischengelagert werden, ohne dass die Wirksamkeit beeinträchtigt wird. Feucht behandeltes Saatgut muss jedoch vor der Zwischenlagerung unbedingt rückgetrocknet werden. Für die schnelle Rücktrocknung das feuchte Saatgut offen und flach lagern.


Kann Tillecur® auch bei hohem Sporenbesatz angewendet werden? 
Tillecur® entfaltet seine pflanzenstärkende Wirkung auch bei hohem Sporenbesatz. Vor der Anwendung von Tillecur® sollte stark belastetes Saatgut jedoch zuerst gereinigt werden. Unabhängig davon ist bei sehr hohem Sporenbesatz die Verwendung von neuem Z-Saatgut in Betracht zu ziehen.


Zulässigkeit von
Tillecur® im Ökolandbau
Tillecur® ist gemäß § 45 (3) PflSchG als Pflanzenstärkungsmittel unmittelbar verkehrsfähig und steht zur Anwendung im ökologischen Landbau zur Verfügung. Tillecur® ist FiBL-gelistet.


Sie haben weitere Fragen?

Unsere Auftragsannahme und Fachberatung helfen Ihnen gerne weiter.